News vom 07.01.2021 23:47 Uhr

Wirbel um neue WhatsApp AGB: Entwarnung für EU-Bürger

WhatsApp LogoSeit einiger Zeit werden WhatsApp-Nutzer beim Öffnen der App von einem Pop-Up-Fenster begrüßt, das über neue Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen informiert und die Zustimmung der User einfordert. Viele Nutzer vermuten hier den Versuch seitens der Konzern-Mutter Facebook, Nutzerdaten von WhatsApp für eigene Zwecke zu verwenden. Als Antwort auf die allgemeine Verunsicherung und Kritik, die seitdem mit den überarbeiteten Bestimmungen einhergeht, hat Apple die Frist für die Zustimmung vom 8. Februar 2021 auf den 15. Mai 2021 verlängert. So erhalten die Nutzer mehr Zeit, um sich mit den Einzelheiten der Änderungen vertraut zu machen. Es bleibt jedoch dabei: Wer nicht einwilligt, kann die App nach Ablauf der Frist nicht mehr wie gewohnt nutzen. Wir klären was dahintersteckt!

WhatsApp macht Druck: Zustimmen oder gesperrt werden

Mit einem bildschirmfüllenden Info-Fenster zu den neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien fordert WhatsApp seit einigen Wochen Nutzer dazu auf, die Änderungen bis zum 15. Mai 2021 per Fingertipp auf den „Zustimmen“-Button abzunicken. Mit einem Tipp auf den „X“-Button lässt sich der Hinweis zwar wegklicken, wird aber zu gegebener Zeit erneut eingeblendet. Wer die Frist verstreichen lässt, ohne vorher die neuen Bestimmungen akzeptiert zu haben, kann die WhatsApp-App künftig nicht mehr wie gewohnt in vollem Umfang nutzen.

Grob geht es bei dem Update darum, wie WhatsApp Nutzerdaten verarbeitet und „wie Unternehmen mit von Facebook gehosteten Services ihre WhatsApp-Chats speichern und verwalten können“. Da alles andere als klar ist, was mit den vage formulierten Stichpunkten eigentlich gemeint ist, greift die Verunsicherung bei den Usern um sich. Wird nach der Zustimmung dem Datentausch mit Facebook zu Werbezwecken nun Tür und Tor geöffnet? Sind meine Chats noch sicher und für niemanden einsehbar – auch nicht für Facebook?

Neue Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie in WhatsApp

Es lässt sich festhalten, dass WhatsApp mit den Änderungen laut eigener Aussage zum einen detailliertere Informationen zur Verfügung stellt, wie es Nutzerdaten verwendet. Zum anderen betreffen die neuen Regelungen insbesondere die (optionale) Kommunikation mit Unternehmen via WhatsApp – etwa wenn man mit einer auf WhatsApp aktiven Firma Kontakt aufnimmt, um z. B. Einkäufe zu tätigen oder Informationen einzuholen – und wie diese Chats gespeichert und verwaltet werden. Für die private Kommunikation zwischen Freunden und Familie ändert sich hingegen nichts und die Chats bleiben weiterhin Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass niemand außer den Chat-Teilnehmern selbst – auch nicht WhatsApp und Facebook – auf die Nachrichten zugreifen kann.

Wer den neuen Richtlinien nicht bis zum 15. Mai zustimmt, sieht sich zunächst mit einer eingeschränkten Funktionalität der Messenger-App konfrontiert, soll heißen: Betroffene Nutzer sollen „für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten, aber in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden“ können. Die Möglichkeit, den Datenschutzänderungen auch nach dem 15. Mai zuzustimmen, bleibt jedoch bestehen. Der Account wird erst gelöscht, wenn das Konto für einen Zeitraum von 120 Tagen nicht genutzt wird.

Kein Datenaustausch zwischen WhatsApp & Facebook in der EU

Wie sich der überarbeiteten Datenschutzrichtlinie entnehmen lässt, teilt WhatsApp tatsächlich auch „Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen, um die Sicherheit und Integrität aller Produkte von Facebook-Unternehmen zu fördern“ und z. B Spam, Drohungen, Missbrauch oder Rechteverletzungen zu bekämpfen. Außerdem teilt WhatsApp mit, dass es Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen teilt, damit diese dabei helfen können, WhatsApp Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.

ABER: Der letzte Satz in dem Unterpunkt der Datenschutzbestimmungen schränkt das Ganze wieder ein: „Keine der Informationen, die WhatsApp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden.“ WhatsApp wird also weiterhin keine Daten zu Werbezwecken oder Verbesserung von Facebook-Produkten mit dem Facebook-Unternehmen teilen. Daran ändern – zumindest in der europäischen Region – auch die neuen Datenschutz- und Nutzungsbedingungen nichts.

Wer also den „Zustimmen“-Button drückt, muss nicht fortan mit Nachteilen hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre rechnen und kann WhatsApp weiterhin wie bisher nutzen. Wem das Vorgehen von WhatsApp nach wie vor nicht geheuer ist, kann den alternativen Messenger-Apps Signal, Threema oder Telegram eine Chance geben, die aktuell enormen Zulauf haben und mehr Datensicherheit versprechen.