Sven 20.07.2015 20:59 Uhr
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Beunruhigendes Apple-Patent: Werbung passend zum Kontostand

Ein bisschen gruselig finden wir ihn in der Redaktion schon, den neuen Patentantrag von Apple. Es geht um Werbung, um gezielte Werbung. Um Werbung für Produkte, die der Nutzer sich auch leisten kann. Doch wie ermittelt man das? Ganz einfach, man nimmt den Kontostand des Anwenders zu Hilfe. Dann kann man bequem abschätzen, ob die Werbebotschaft ungehört verhallt oder Anklang findet. Dass ausgerechnet Apple einen solchen Patentantrag stellt, ist fast schon paradox. Denn der iPhone-Hersteller betont in der Öffentlichkeit immer wieder, wie wichtig ihm die Privatsphäre seiner Anwender sei.

Natürlich ist ein Patentantrag noch weit entfernt von einem fertigen Produkt oder einem einsatzfähigen Service. Aber die Vorstellung, der Hightech-Konzern aus Cupertino könnte vor der Einblendung einer Werbung einen scheuen Blick auf meinen Kontostand werfen, passt nicht in das Bild von „Die da (Google) verkaufen eure Daten, wir nicht“.

Wer nun auf den Gedanken kommt, Apple könnte seinen Bezahldienst Apple Pay ebenfalls in die Kalkulation mit aufnehmen (was durchaus Sinn machen würde), der irrt jedoch. Denn Apple Pay ist allen veröffentlichten technischen Dokumenten zufolge sicher vor einem solchen Zugriff. Zum einen sorgt dafür die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Anonymisierung des Zahlungsvorganges mittels Tokens, die nur für diesen einen Vorgang genutzt werden. Apple kann auch nicht sehen, welche Produkte erworben wurden. Die Privatsphäre ist an dieser Stelle nach unserem Ermessen ausreichend geschützt.

Unserer Meinung nach täte Apple gut daran, vor der Anfrage an das Patentamt ein wenig stärker zu prüfen, ob das Patent nicht die Positionierung als Hüter personenbezogener Daten in der Öffentlichkeit untergräbt. Apple ist nämlich einer der Musterknaben in Sachen Datenschutz – auch wenn es gegen die Interessen von Regierung und Informationsdiensten wie der NSA geht.