News vom 15.09.2021 11:30 Uhr

Umstrittener Foto-Scan: Apple verschiebt Kinderschutzfunktion

Fotos-App auf dem iPhone in dunkler UmgebungDer Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer ist für Apple ein hohes Gut, mit dem der iPhone-Hersteller oft und gerne hausieren geht. Hohe Privatsphäre-Standards rufen jedoch nicht selten auch Verbrecher auf den Plan, die glauben so ihren kriminellen Aktivitäten unbemerkt nachgehen zu können, ohne ins Visier der Strafverfolgungsbehörden zu geraten. Ein Thema, das in diesem Zusammenhang oft fällt, ist der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornographie übers Internet. Mit iOS 15 hat Apple nun die Grundlage für zwei neue Funktionen zum Schutz von Kindern geschaffen. Ein Feature in iMessage schlägt Alarm, wenn Kinder auf ihren iPhones anzügliche Inhalte teilen oder empfangen. Ein weiteres Tool führt einen lokalen Foto-Scan auf dem iPhone durch, bevor Bilder in iCloud hochgeladen werden. Nach heftiger Kritik seitens vieler Sicherheitsexperten hat Apple die geplante Veröffentlichung der Features nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

iMessage warnt vor Nacktbildern

Dank einer neuen iMessage-Funktion haben Eltern, die ein iPhone für Ihre Kinder über einen Familienaccount verwalten, die Möglichkeit ihre Kinder vor pornographischen Inhalten zu schützen. Ist die Funktion aktiviert, erkennt diese automatisch in iMessage empfangene Bilder mit pornographischem Content. Die Bilder werden verpixelt und das Kind wird davor gewarnt, den Inhalt zu öffnen. Außerdem werden Links zu hilfreichen Informationen, wie mit solchen Inhalten umgegangen werden sollte, angeboten. Sollte sich das Kind dennoch dafür entscheiden, das Bild zu öffnen, erhalten die Eltern eine entsprechende Benachrichtigung, dass ihr Spross ein Foto mit sexuellem Inhalt empfangen und geöffnet hat. Umgekehrt funktioniert dies auch, wenn das Kind versucht, selber Nacktfotos oder pornographische Bilder zu verschicken.

Kinderschutzfunktion in iMessage

Lokaler Bildabgleich prüft auf Missbrauchsfotos

Noch tiefer geht ein neues iCloud-Feature zum Auffinden kindepornographischer Inhalte. Hierbei werden in iCloud mit der Funktion „iCloud-Fotos“ hochgeladene und gespeicherte Fotos mit kinderpornographischen Bildern aus einer offiziellen Datenbank von zwei anerkannten Kinderschutz-Oragnisationen abgeglichen und bei Übereinstimmung an die entsprechenden Behörden gemeldet. Dabei werden allerdings nicht die Fotos an sich abgeglichen, sondern lediglich die sogenannten Hash-Werte der Bilder. Der sogenannte „NeuralHash“ ist vereinfacht gesagt eine Zahl aus vielen Einsen und Nullen, der bestimmte Informationen von Bildern speichert und sie über den Hashwert mit anderen Bildern vergleichbar macht, ohne dass die eigentlichen Bilder sichtbar sein müssen. Auf diese Weise soll der Schutz der Privatsphäre gewährleistet werden. Der Abgleich der Hashwerte findet dabei direkt auf dem Gerät und vor dem Upload in iCloud statt – vorausgesetzt man hat die iCloud-Fotos Funktion aktiviert. Wenn man iCloud-Fotos nicht nutzt, dann findet auch kein Abgleich der Bilder statt.

Kinderschutzfunktion in iMessage

Nach heftiger Kritik: Apple verschiebt Kinderschutzfunktionen

Apples Ankündigung, einen lokalen Foto-Abgleich auf dem iPhone und ein Filter-System für sexuelle Inhalte in iMessage einführen zu wollen, hat in den leztzten Wochen eine ausführliche Datenschutzdebatte in der Öffentlichkeit ausgelöst. Zahlreiche Sicherheitsexperten, Datenschützer, Wissenschaftler, Bürgerrechtler und Netzaktivisten haben sich seitdem mit Argumenten gegen den Foto-Abgleich zu Wort gemeldet und an Apple appelliert, das Feature nicht wie geplant ins System zu intergrieren. Demnach befürchten die Kritiker, dass sowohl der Foto-Scan als auch der Content-Filter in iMessage in Zukunft von autoritären Regimen missbraucht werden könnte, um regierungskritische Inhalte, Bilder und Grafiken aufzuspüren, um so gegen unliebsame Personen vorzugehen. Aufgrund massiver Einwände und Bedenken hinsichtlich der negativen Folgen einer solchen „Hintertür“ im System hat Apple nun kurzerhand zurückgerudert und will die Kinderschutzfunktionen nicht wie geplant mit weiteren iOS 15 Updates im Laufe des Jahres nachreichen. Stattdessen wird die Veröffentlichung fürs Erste auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, um laut eigener Aussage Verbesserungen am System vorzunehmen. Es bleibt also abzuwarten, ob Apple der Spagat zwischen mehr Kinderschutz und der Aufrechterhaltung der Privatsphäre aller Nutzer gelingt.

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