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Sven 07.03.2016 13:09 Uhr
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Apple vs. FBI: Lavabit-Chef hält zum iPhone-Konzern

FBI LogoLavabit hat sich in einem so genannten Amicus Curiae (PDF-Dokument) in vielen Punkten auf die Seite von Apple geschlagen. Diese Eingabe eines in einem Gerichtsverfahren eigentlich unbeteiligen Dritten soll die Position einer der Parteien in einem solchen Streit stärken. Mindestens aber dient die Unterlage aber einer fachlichen Bewertung der Folgen eines Urteils. Das Expertenwissen kann also durchaus den Ausgang des Verfahrens beeinflussen. In dem offiziellen Schreiben führt der ehemalige Anbieter einer sicheren E-Mail-Lösung aus, dass die Entscheidung, Apple zum Einbau einer Backdoor und damit zur Herabstufung der Sicherheit seiner iPhones zu zwingen, für die USA mehrere problematische Folgen hätte.

Böse Folgen, falls FBI sich durchsetzt

Lavabit spricht übrigens aus eigener, leidvoller Erfahrung mit dem FBI. Die Firma hat den sicheren E-Mail-Service eingestellt, als das FBI seinerzeit die Betreiber zur Herausgabe des privaten Schlüssels zwingen wollte, mit dem die Kundenkommunikation verschlüsselt wurde. Lavabit’s Lösung wurde unter anderem von Whistleblower Edward Snowden für die sichere Kommunikation mit Journalisten genutzt. Darauf hatte es das FBI abgesehen. Konsequenterweise hat sich Lavabit damals vom Dienst verabschiedet, um Kundendaten nicht kompromittieren zu müssen. Vergessen haben die Verantwortlichen die Sache offenbar nicht und führen aus, welche Konsequenzen der Einbau einer Backdoor in iOS hätte:

  1. Viele Unternehmen, die sicherheitsrelevante Software anböten, würden die USA verlassen. Wer seinen Firmenstandort nicht mehr im Hoheitsgebiet der US-Regierung hätte, könnte Produkte anbieten, die die Privatsphäre der Anwender schützte.
  2. Die Sicherheit von Millionen iPhones würde leiden. Anwender würden aus Angst vor einer mit einem Software-Update ausgelieferten Backdoor auf einer alten iOS-Version verharren und damit das gesamte Ökosystem um Apple herum unsicherer werden lassen. Denn Apple liefert mit diesen Updates immer wieder auch sicherheitsrelevante Inhalte aus.
  3. Außerdem würden viele Kunden das Vertrauen zu Apple als Hardware- und Softwarehersteller verlieren. Schwindende Marktanteile des in Kalifornien residierenden Unternehmens wären die Folge.

Abschließend konstatiert die Eingabe:

If Congress had intended that private entities and individuals be forced to provide such extraordinary assistance to government investigations, Congress would have passed a law to that extent.

Wenn der Congress gewollt hätte, dass Privatunternehmen und Personen dazu gezwungen werden können, außergewöhnliche Hilfestellung zu leisten, hätte der Kongress dafür bestimmt ein Gesetz erlassen.

Ob Vertrauensverlust, Firmenabwanderung und unsichere iPhones die richter in diesem wichtigen Fall umstimmen können, bleibt abzuwarten. Wir werden weiterhin über das Verfahren berichten.

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